Friedenskirche Wettringen

Evangelische Kirchengemeinde
Neuenkirchen-Wettringen

Gnadenkirche Neuenkirchen, Krs. Steinfurt


Geistliche Texte

pfeil Was hilft mir zum Glauben- was prägt meinen Glauben?
pfeil Hört mir doch mit WENN und ABER auf!
pfeil Schätze sammeln – aber richtig!
pfeil Auf das richtige Fundament kommt es an!
pfeil Ein "frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!"
pfeil Taufe
pfeil Neue Wege gehen – aber nicht alleine
pfeil Philipp Melanchthon - 16.2.1497-19.4.1560 - 450. Todestag
pfeil Heute schon gebetet?
pfeil Auf einmal erwachsen – Die Konfirmation, ein Übergang
pfeil Allein zur Ehre Gottes! Johannes Calvin, 1509-1564
pfeil "Meine Zeit steht in deinen Händen." (Psalm 31,16)



Was hilft mir zum Glauben- was prägt meinen Glauben?

In der nächsten Woche gibt es zwei evangelische Gedenktage, an denen etwas im Mittelpunkt steht, was unseren evangelischen Glauben über Jahrhunderte total geprägt hat, wofür sich aber heute kein Mensch mehr interessiert:

- am Mittwoch, den 18. Januar, wird an Luthers Kleinen Katechismus von 1529 erinnert
- und nur einen Tag später, am Donnerstag, den 19. Januar, steht der reformierte Heidelberger Katechismus von 1563 im Mittelpunkt.

Diese beiden Bücher waren Jahrhunderte lang, neben Bibel und Gesangbuch, die Grundurkunden und die Quellen des Glaubens und der Frömmigkeit.

Was ist davon geblieben?
Fast nichts!!
Im Konfirmandenunterricht sind die Bücher wegen ihrer altertümlichen Sprache so gut wie nicht zu gebrauchen, und sonst liest sie auch kaum noch einer.
Oder wissen Sie, dass beide hinten im Gesangbuch abgedruckt sind?

All dies hat mich zu folgenden Fragen gebracht.

1. Was hilft mir, was hilft einem evangelischen Christen heute zu glauben?
2. Was sind die Quellen unserer eigenen Spiritualität, unserer eigenen Frömmigkeit?
3. Wo und wie lebt ein evangelischer Christ seinen Glauben, seine Frömmigkeit?

Jedenfalls nicht in dem sonntäglichen Gottesdienst, dafür sind sie zu schlecht besucht.

Wenn Frömmigkeit gelebt wird, dann zumeist in kleineren Gruppen und Kreisen bzw. alleine.
Noch häufiger aber ist eine totale Ausblendung der persönlichen Frömmigkeit anzutreffen, Ausblendung, nicht Ablehnung, sondern völliges Desinteresse, Gleichgültigkeit.

Für die, die an einer biblisch-christliche Frömmigkeit interessiert sind, gilt folgendes:
Nach evangelisch-protestantischem Verständnis steht im Mittelpunkt von Glaube, Theologie und Frömmigkeit das Wort Gottes in seiner dreifachen Gestalt in Jesus Christus, Heilige Schrift und Predigt.
Darum steht das Wort auch im Mittelpunkt des Gottesdienstes, bei Amtshandlungen und im persönlichen Bereich.
Die Bibel ist das Lehrbuch evangelischen Glaubens und evangelischer Frömmigkeit.
Damit evangelischer Glaube und evangelische Frömmigkeit nicht untergeht, muss das Wort Gottes wieder bewusst werden.
Das geht nur, wenn man die Bibel liest, den Gottesdienst besucht und den Katechismus kennen lernt.

In besonderer Weise soll das Wort Gottes in einer Predigtreihe zu uns sprechen:
Wie alttestamentliche Texte im Neuen Testament und im christlichen Glauben fortwirken“.
Die erste Predigt ist zu hören am Sonntag, den 22. Januar 2012, um 10.00 Uhr in der Friedenskirche in Wettringen und steht unter dem Motto:
Adam – der Sündenfall – und die Folgen“.
Es geht dabei um die ersten drei Kapitel der Bibel (= 1. Mose, Kapitel 1 bis 3).

Auf Ihr Kommen freut sich Ihr Prediger Dietrich Wulf.

pfeil


Hört mir doch mit WENN und ABER auf!

Wenn
- man nicht ausschlafen müsste,
- die Gottesdienstzeiten etwas günstiger wären,
- die Lieder moderner wären,
- die Predigt nicht so langweilig wäre,
- die Texte verständlicher wären,
- die anderen Kirchgänger keine Heuchler wären,
- man nicht einen so weiten Weg hätte,
- die Christen im Leben überzeugender wären,
aber dann
fänden sich sicher andere Gründe, weshalb man nicht zum Gottesdienst ginge.
Diese Zusammenstellung fand ich in der evangelischen Kirchenzeitung „Unsere Kirche - UK“ und spontan war meine Meinung: „Genau – so ist es!“
Denn, das kenne ich. Und im Presbyterium haben wir uns bereits viele Gedanken gemacht, wie das zu ändern sei: es kommen verschiedene Prediger zu Wort, es werden unterschiedliche Formen von Gottesdiensten angeboten, die Gottesdienstzeiten sind mehrfach verändert und erweitert worden.
Doch das Ergebnis ist mager. Im Gegenteil, zu dem Katalog oben kommt jetzt noch hinzu, - wenn das doch nicht immer so ein Durcheinander mit den Zeiten, Formen und Orten wäre.
Doch liegt es wirklich an all den genannten äußerlichen Einwänden, dass man nicht zum Gottesdienst geht, oder gibt es da auch andere, inhaltliche Gründe?
Meine feste Überzeugung ist: Ich gehe zum Gottesdienst, weil mir das ein inneres Bedürfnis ist. Äußere Gründe könne mich dann nicht davon Abhalten zum Gottesdienst zu gehen, wenn mir das wirklich wichtig ist.
In der weltweiten Ökumene macht man ganz andere Erfahrungen: da dauern Gottesdienste locker zwei Stunden, das sitzt man auf der Erde, oder auf Holzbrettern, da dauert der Fußmarsch zur Kirche manchmal mehr als drei Stunden (der Rückweg natürlich auch), da zieht man die besten, möglichst bunte Kleider an und freut sich miteinander Gott zu loben, man ist froh, dass das Wort Gottes gepredigt und die Sakramente gefeiert werden, da gehört der Gottesdienst zum Leben unbedingt und ganz zentral dazu.
Was aber gehört zu meinem Leben dazu? Bücher, Radio, Fernsehen – die können keine lebendige Gemeinde ersetzen. Arbeit, Freizeit, Party – das kann doch nicht alles sein. Sport, Kino, Geselligkeit – stiften die auf Dauer wirklich Sinn?
Was hält mich wirklich in den Krisen des Lebens?
Im reformierten Heidelberger Katechismus lautet die erste Frage: „Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“ Und die Antwort: „Dass ich mit Leib und Seele,
beides, im Leben und im Sterben nicht mein, sondern meines getreuen Heilandes Jesu Christi Eigentum bin.“
Diese Glaubenssicherheit lerne und teile ich in der Gemeinschaft der Gemeinde, im Gottesdienst. Wenn mir dieser Glaube, diese Sicherheit wirklich wichtig sind, mir etwas bedeuten, dann ist mir der Gang zum Gottesdienst nicht zu weit, die Uhrzeit und der Ort nicht unpassend, sondern selbstverständlich.

Also dann, bis bald, im Gottesdienst.
Ihr Dietrich Wulf, evangelischer Pfarrer

pfeil


Schätze sammeln – aber richtig!
In der evangelischen Kirche ist es üblich, jedem wichtigen Ereignis und jedem Zeitabschnitt ein Bibelwort als Motto zuzuordnen. So zur Taufe, zur Konfirmation, zur Trauung und zur Beerdigung. Dann aber auch die Jahreslosung, die Wochensprüche und die Tageslosung. Übersprungen habe ich den Monatsspruch. Dem für den Juli 2011 will ich mich jetzt zuwenden. Er steht im Matthäus-Evangelium (6,21):
„Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“

In den vorangehenden Sätzen der Bergpredigt rät Jesus davon ab, sich "Schätze auf Erden" zu sammeln. Dagegen empfiehlt er, "Schätze im Himmel" anzustreben. Irdische Gefahren für Schätze sind "Motten und der Rost" und Diebe. Lebte er heute unter uns, würde er wohl noch andere Gefahren nennen können: Finanzkrise, Geldentwertung, Inflation, Verlust von Scheck- und Kreditkarte ...

Er meinte also nicht einen geliebten Menschen, den wir mit "mein Schatz" ansprechen, vielmehr dachte er an Besitztümer aller Art. Und hier könnten wir lange Listen aufstellen, worüber wir verfügen. Zweifellos kann sich niemand davon freisprechen, auch „Schätze“ zu haben: die schöne Wohnung, das schnelle Auto, die Sammlung an Büchern oder Briefmarken, den Schmuck - oder was immer es sonst ist. Wir lieben es, Dinge zu schätzen. Unser Herz hängt einfach daran.
Nähmen wir die Bergpredigt wörtlich, müssten wir uns von allen diesen Besitztümern trennen. Einzelne Menschen taten das, etwa der russische Dichter Leo Tolstoi oder Mönche und Nonnen. Doch viele Dinge gehören einfach zum Leben, machen es schön, sind hilfreich.

Nützt es anderen, nützt es uns, wenn wir uns von vielem oder allem trennen? Natürlich sollen wir immer wieder von dem, was uns gehört - etwa an Geld - abgeben. Nächstenliebe macht wesentlich das christliche Profil aus.

Was uns der Monatsspruch aber vor allem nahe legen kann, ist ein ständiges Nachdenken. Es sollte zum Bewusstsein führen, dass die "Schätze auf Erden" nicht nur vergänglich sind, sondern auch für den Glauben hinderlich sein können. Nicht ihnen sollen wir vertrauen, vielmehr Gott!

In Goethes Gedicht "Der Schatzgräber" beginnt der Titelheld "arm am Beutel, krank am Herzen" mit der Schatzsuche und kommt schließlich zur Erkenntnis, nicht nach Schätzen zu graben. Besser sind das künftige "Zauberwort" und Lebensmotto: "Tages Arbeit, abends Gäste, saure Wochen, frohe Feste." Hier weist der Dichter auf ein sinnvolles Leben hin, jedenfalls so wie es ihm scheint.

Wir als Christen aber müssen es für uns selbst suchen und finden. Es schließt wesentlich ein, dass wir unser Herz nicht an äußere Dinge hängen und verlieren. Sammeln wir uns  lieber "Schätze im Himmel" dadurch, dass wir bewusst und konsequent in Jesu Nachfolge leben.
Also: „Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“

Dietrich Wulf, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde

pfeil


Auf das richtige Fundament kommt es an!

In einem Neubaugebiet: Neue Häuser entstehen, eines schöner als das andere. Zwei Familien ziehen ein: zwei Kinder und Hund auf der einen Seite, drei Kinder, Katze und Goldfische auf der anderen Seite. Bald haben die Familien engen Kontakt geschlossen, die Kinder laufen sowieso seit dem ersten Tag durcheinander. Vieles wird bald gemeinsam unternommen, Grillabende, Zoobesuch, Familienfeiern. Rundum ist man zufrieden, hat man doch schließlich Gleichgesinnte, ja Freunde gefunden.
Nur an einem Punkt, da unterscheidet man sich manchmal dann doch: Irgendwie bekommt man die Gemeinsamkeit an manchem Sonntagmorgen nicht unter einen Hut. Wollen die einen eine Fahrradtour machen oder zum Wettangeln oder zu einer Sportveranstaltung, dann wollen die anderen manchmal einfach nicht mit. Nichts zu machen, die wollen doch tatsächlich in einen Gottesdienst!! Einfach nicht davon abzubringen die lieben Nachbarn. Na gut fährt man heute mal alleine, ist ja auch nicht schlimm. Was? Wir sollen doch einfach mit zur Kirche kommen? Nein danke! Was sollen wir denn da? Und so trennt man sich halt und geht einmal verschiedene Wege. Ist ja auch gar nicht schlimm.

Eine ganze Zeit plätschert das Leben der zwei Familien so dahin. Doch das Leben hat nicht nur Sonnenseiten. Arbeitslosigkeit und weniger Geld bei der einen Familie, bei der anderen Krankheit eines Kindes, es wird sein Leben lang an den Rollstuhl angewiesen sein.
Auch in dieser Zeit bleiben die Kontakte von Haus zu Haus gut, man hilft sich, wo man kann. Doch irgendwie scheint die eine Familie alle Sorgen und alles Leid besser zu verkraften. Sie sind zwar nachdenklicher geworden, aber ihre Fröhlichkeit ist immer noch da. Trotz des behinderten Kindes strahlen sie eine innere Festigkeit aus. Ihre Gottesdienstbesuche sind sogar noch etwas häufiger geworden, schließlich ist ein Kind jetzt auch im Konfirmandenunterricht. So ganz langsam kommt alles wieder ins Lot.

Anders jedoch in der anderen Familie: zur Arbeitslosigkeit kam eine Ehekrise hinzu und jetzt ist auch noch Alkohol im Spiel. Sonntags ist oft Geschrei zu hören: er geht in die Kneipe, die Kinder machen auch, dass sie weg kommen, sie bleibt allein zu Hause. Die Familie bricht auseinander, die Ehe wird geschieden, das Haus muss verkauft werden. Schon längst hätte er eine neue Arbeit haben können, doch angenommen hat er sie dann nicht: "Wozu denn auch?" sagt er im letzten Gespräch mit dem Nachbarn, "hat doch sowieso alles keinen Sinn. Die Welt ist schlecht, und jetzt hat es uns halt erwischt und uns alles kaputt gemacht. Schicksal!!"

Darauf wusste der Nachbar, der mit seiner Familie auch so viel erleiden musste, vielleicht sogar noch mehr als jene, keine Antwort zu geben. Aber er merkte, dass da in den Argumenten seines Freundes etwas nicht stimmte. Erst am nächsten Sonntag, im Gottesdienst, bei der Verlesung des Predigttextes ging ihm ein Licht auf (nachzulesen bei Matthäus 7,24-28): Auf das Fundament kommt es an! Auf das Fundament des Hauses, auf das Fundament des Lebens, auf das Fundament des Glaubens. Sein Freund hatte auf das falsche Fundament gebaut, er hatte auf Sand gebaut, wo er doch auf Felsen hätte bauen sollen. Jesus hatte es doch schon längst allen Menschen gesagt, am Ende der Bergpredigt, da steht es doch.

In der Bibel wird Jesus als die Grundlage des Lebens beschrieben. Das heißt, das Fundament, das wir für ein gelingendes Leben suchen ist Jesus Christus, nichts und niemand anderes.

In unserer Geschichte ist genau das zum Tragen gekommen: Die eine Familie hat auf die eigenen Fähigkeiten, allein auf das Menschliche gebaut. Damit hatten sie auf Sand gebaut. Die andere Familie hat das Menschliche und die eigene Klugheit nicht vernachlässigt, doch all dies haben sie auf das Fundament aufgebaut, das den Namen Jesus Christus trägt.

Zum Schluss möchte ich Ihnen eine Art Merksatz geben, der Sie immer daran erinnern kann, wie sie Ihr Leben auf sicherem Grund bauen können. Dieser Satz steht so nicht in der Bibel, aber ich kann mir vorstellen, dass Jesus ihn so hätte sagen können.
"Jesus Christus spricht: Ich bin der Fels des Lebens. Wer auf mich baut, der wird bleiben, auch wenn alles vergeht!"

Daher lade ich Sie alle ein, kommen doch auch Sie mit auf diesen Felsen, damit Sie Ihr Leben nicht auf Sand bauen.

Dietrich Wulf, Pfarrer
Ev. Kirchegemeinde

pfeil



Ein "frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!"

Was bedeutet das eigentlich?
Ist das nur eine belanglose Floskel, wie wir sie mehrmals am Tag so benutzen?: "Hallo! Wie geht's? Gut, danke."
Oder steckt mehr dahinter?

Ein Pastor aus Norderstedt erzählt, was ihm einmal bei solch einer Formulierung passiert ist:
"Nach unserer Senioren-Adventsfeier verabschiedete ich mich von allen einzeln und wünschte ihnen 'ein frohes Weihnachtsfest'.
Plötzlich antwortete mir eine Frau: 'Nein, Herr Pastor, das müssen Sie mir nicht wünschen. Froh wird es nicht für mich. Aber ein gesegnetes Christfest, das können Sie mir wünschen.
Einen Moment war ich erschrocken. Ich kannte ja ihre Situation: Mann verstorben, Sohn ein Trinker, kaum Geld für das tägliche Brot.
Nein, froh würde das Fest für sie wohl nicht werden. Aber gesegnet, ihr zum Segen würde das Fest sicherlich doch sein
."

Was aber ist da genau der Unterschied?
"Frohe Weihnachten" oder "ein gesegnetes Fest" ist das nicht egal? Hauptsache es wird gefeiert.
Nein, das ist nicht egal! Und, Hauptsache es wird gefeiert - auch da gibt es himmelweite Unterschiede wie und was man feiert.

"Frohe Weihnachten" wird bei uns fast überall gefeiert: In den Geschäften mit viel Umsatz; in den Innenstädten mit Lichtern, Advents- und Weihnachtsmärkten; in Firmen, Behörden und anderen Einrichtungen mit Weihnachtsfeiern usw.

"Frohe Weihnachten" wünscht die Geschäftsleitung ihren Mitarbeitern - und am 2. Januar bekommen 25% die Kündigung.

"Frohe Weihnachten" wünschen die Kinder der alten Mutter - dabei haben sie für Februar den Platz im Altersheim zugesagt bekommen.
   
"Frohe Weihnachten! Ihr Finanzamt" - doch der Vollstreckungsbescheid ist schon unterschrieben.

"Frohe Weihnachten" - das ist für fast alle Menschen in unserem Land der Wunsch nach Gesundheit, persönlichem Glück, Sicherheit im engsten Umfeld, vielleicht auch noch Frieden auf der Welt.

Ganz anders aber ist das mit einem "Gesegneten Christ- oder Weihnachtsfest". Wer dies so sagt, der weiß, dass es um mehr geht, als um das, was ich bisher beschrieben habe. Segen hat dabei allerdings nichts mit materiellen Gütern zu tun. Wenn uns das Fest zum Segen wird, wie der Frau in der Geschichte des Pastors, dann geschieht da etwas Unglaubliches. Dann wird unser Weihnachten plötzlich zur Stunde Gottes. Dann ist Heilige Nacht, dann haben wir es mit etwas Fremdartigem, etwas Unbegreiflichem zu tun, dann kommt Gott zur Welt.

Gott sendet seinen Segen in der Gestalt eines kleinen Kindes in unsere Welt. Gott selber ist dieser Segen. Gott sendet kein Geld, keine Geschenke und keine guten Worte: Gott kommt selber. Er ist sich nicht zu schade in aller Armut zu kommen. Gott wünscht uns da keine "Frohe Weihnachten". Durch den Engel lässt er verkünden: "Fürchtet euch nicht! Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr."
Durch diesen Heiland will Gott die Welt erneuern und Christus ist der Beginn der Neuen Schöpfung.

Und so reicht es nicht, wenn wir uns nur "Frohe Weihnachten" wünschen. "Frohe Weihnachten" nimmt den Ernst des Kommens Christi nicht wahr. Gott will uns zum Segen handeln; aber es geht eben auch um unser ganzes Leben vor Gott. Es geht auch um unsere Entscheidung für Gott.
Dann, aber auch erst dann, wenn wir Gottes Segen für uns annehmen, wenn wir umkehren, hin zu ihm, dann können wir Weihnachten auch als ein frohes Fest feiern. Denn erst wenn wir wissen, dass Gott uns retten und segnen will, ja es getan hat und immer wieder neu tut, dann können wir doch erst wirklich froh und glücklich sein.

Darum, wünsche ich Ihnen nun beides, zuerst ein gesegnetes und dann auch ein frohes Weihnachtsfest.

Ihr Dietrich Wulf
Ev. Pfarrer

pfeil



Taufe – das einzige ökumenische Sakrament

Mit der Ökumene klappt es vor Ort mal besser, mal schlechter. In der der „großen Ökumene“ herrscht Stillstand.
Bei den Sakramenten gibt es deutliche und große Unterschiede. So gibt es in der evangelischen Kirche nur zwei, in der katholischen Kirche sieben Sakramente. Nur zwei Sakramente sind nach evangelischem Verständnis biblisch als solche zu begründen: Die Taufe und das Abendmahl. Das Abendmahl / die Eucharistiefeier sieht die katholische Kirche unmittelbar mit dem Priesteramt verknüpft – also keine Gemeinsamkeit mit der evangelischen Kirche. Bleibt die Taufe.
Konzentrieren will ich mich jetzt auf eine Taufe in der evangelischen Kirche.

Unser Kind soll getauft werden! – Was ist zu tun?
Eine Checkliste.

1. Anmeldung der Taufe im Gemeindebüro
Die Anmeldung zur Taufe erfolgt im Gemeindebüro in Wettringen, Rothenberger Straße 20, Tel: 02557/1207. Die Anmeldung sollte ca. zwei bis drei Monate vor dem gewünschten Tauftermin erfolgen. Ein Kind kann nur durch seine leiblichen Eltern oder einen Erziehungsberechtigten angemeldet werden. Ein Elternteil muss evangelisch sein.

2. Absprache eines Tauftermins
Taufen gehören in den normalen Gottesdienst der Gemeinde. Ausnahmen sind ein besonderer Notfall (eine Taufe z.B. im Krankenhaus) oder die Verbindung einer Taufe mit der kirchlichen Trauung („Traufe“), denn das ist in evangelischer Freiheit gut möglich.
Die Taufen erfolgen in unserer Gemeinde zumeist am 1. und 3. Wochenende im Monat, sowohl im Gottesdienst am Samstagabend (18 Uhr), wie am Sonntagmorgen (10 Uhr). Die Absprache des Tauftermins erfolgt bei der Anmeldung bzw. in Rücksprache mit dem Pfarrer.

3. Vereinbarung eines Termins zum Taufgespräch mit dem Pfarrer
Der Pfarrer kommt zum Taufgespräch zu Ihnen nach Hause. Die Paten dürfen gerne dabei sein, müssen es aber nicht. Das Gespräch sollte zwei bis drei Wochen vor der Taufe stattfinden. Der Termin wird bei der Anmeldung abgesprochen.

4. Aussuchen von Paten
In unserer Kirche ist es üblich, den Eltern Paten zur religiösen Erziehung ihres Kindes an die Seite zu stellen. Daher ist es nötig, dass diese auch etwas von unserer Religion und Kirche wissen. Ein Pate muss evangelisch, getauft und konfirmiert sein und darf nicht aus der Kirche ausgetreten sein. Paten aus anderen Konfessionen (katholisch, orthodox,
Freikirche) sind möglich, wenn sie in ihrer jeweiligen Kirche zum Patenamt und zur Abendmahlsfeier zugelassen sind. Ein bis drei Paten sind üblich. Alle Paten brauchen von ihrer Kirche einen Patenschein. Menschen, die nicht Christen sind, bzw. die aus der Kirche ausgetreten sind, können als Taufzeugen zugelassen werden, haben aber keine Patenfunktion.

5. Besorgung aller Unterlagen
Spätestens beim Taufgespräch sollten alle Unterlagen vorliegen: Familienstammbuch (mit Trauurkunde der Eltern), Geburtsurkunde des Kindes und Patenscheine der Paten.

6. Taufspruch – Taufkerze – Taufkleid
Beim Taufgespräch werden alle Formalitäten abgehandelt und der Ablauf der Taufe besprochen. Vorher sollte ein Taufspruch ausgesucht sein, ein Bibelwort aus der Luther-Bibel. Eine Taufkerze zur Erinnerung kann durch die Eltern oder Paten besorgt werden. Besondere Kleidung, gar ein Taufkleid, ist nicht notwendig.

Taufe – biblisch

Kurz vor der Himmelfahrt sprach Jesus zu den Jüngern: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Matthäus 28,18-20).
Mit der Taufe werden Menschen hineingenommen in den Herrschaftsbereich Jesu Christi, werden unter seinen Schutz gestellt und erfahren seine Nähe.
Mit der Taufe werden Menschen hineingenommen in die Gemeinschaft der Christen, sie werden zu Gliedern der Kirche, deren Haupt Christus ist.
Also: Was hindert’s, dass du dich taufen lässt?

Dietrich Wulf, ev. Pfarrer

pfeil



Neue Wege gehen – aber nicht alleine

Heute wende ich mich ganz besonders an die jungen Menschen, an Kinder und Jugendliche. Die Eltern und Großeltern erzählen ihnen vielleicht hiervon.
Die Sommerzeit ist für viele Kinder und Jugendliche nicht nur die schönste Zeit des Jahres, weil es da die langen Ferien gibt, nein die Sommerzeit ist aufregend, weil Veränderungen anstehen:
Die ganz Kleinen kommen in den Kindergarten; etwas größere Kinder kommen in die Schule; für die Viertklässler steht der Schulwechsel bevor und für die, die Haupt- bzw. die Realschule und das Gymnasium verlassen beginnt ein ganz neuer Lebensabschnitt mit Berufswahl oder Studium.
In unseren beiden Dörfern Neuenkirchen und Wettringen betrifft dies alles mehrere hundert Kinder und Jugendliche und ihre Familien.
Veränderungen, besonders so einschneidende und entscheidende, rufen die unterschiedlichsten Gefühle hervor: die einen sind einfach nur neugierig, andere haben ein mulmiges Grummeln im Bauch, einige haben aber auch richtig Angst.
Viele Kinder und Jugendliche werden auf diesen neuen Wegen begleitet von ihren Eltern und Großeltern, aber auch von den Erzieherinnen und Lehrern. Doch irgendwann müssen diese alle zurückbleiben und dann muss alleine weitergegangen werden.
Wirklich alleine? Nein! Als gläubiger Mensch, als Christ weiß ich: Gott ist bei mir auf meinem Lebensweg – auch im Kindergarten, auch in der Schule, auch im Beruf.
In der Taufe wurde mir das  schon versprochen, wurde es mir zugesagt:
„Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.  Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Matthäus 28,18-20)
Ja, diese Zusage gilt mir, der ich getauft wurde; und sie gilt nicht nur in der Kirche, nicht nur im Religionsunterricht. Nein, diese Zusage gilt mein ganzes Leben lang und für alle Lebenssituationen in die ich hineingerate.
Viele Menschen meinen, dass Glaube und Kirche nur etwas für besondere Anlässe ist, wie Hochzeit oder Beerdigung. Doch wer sich wirklich durch den Glauben mit Gott verbunden fühlt, der weiß, dass Gott immer an meiner Seite ist.
Wenn das Kleinkind im Kindergarten spielt, wenn es später in der Schule die ersten Buchstaben schreibt, bei der Mathearbeit in Klasse 8 und bei den ersten Versuchen an der Drehbank oder im Labor
- auch dann lässt Gott es nicht alleine.
Wenn also jetzt Veränderungen anstehen, wenn neue Wege gegangen werden müssen – niemand ist alleine.
Mit einigen Zeilen aus dem Gesangbuch möchte ich allen, denen neue Wege vor die Füße kommen, nun Mut machen, diese Wege voller Vertrauen zu gehen:
„Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist, weil Leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt.
Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit! Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid.
Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt! Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land.“
(Ev. Gesangbuch 395)

Dietrich Wulf
Ev. Pfarrer


pfeil



Philipp Melanchthon - 16.2.1497-19.4.1560 - 450. Todestag

Als Praeceptor Germaniae, als hervorragender Lehrer und Erzieher Deutschlands, ist Philipp Melanchthon in die allgemeine Überlieferung eingegangen.
Gern erinnert man sich an den Frühreifen, der im Jahr 1518, gerade 21 Jahre alt, als Professor für Griechisch an die Universität Wittenberg berufen wurde, und der mit seiner Antrittsrede sogleich ein Fanal zu einer durchgreifenden Universitäts- und Bildungsreform gab: Weg mit der traditionellen Schulphilosophie, hin zu den alten Sprachen, dem Maßstab des Klassischen, dem Selbstdenken.
Sodann kennt man Melanchthon als den Verfasser der Confessio Augustana im Jahr 1530. Martin Luther hatte nicht zum Reichstag in Augsburg gedurft, auf dem über die Zukunft der evangelischen Bewegung entschieden werden sollte - wer in der Reichsacht ist, kann nicht auf dem Reichstag erscheinen. Darum fiel Melanchthon die Aufgabe zu, die evangelische Lehre zusammenzufassen.
Und das so zu tun, dass einerseits die Kontinuität zur Alten Kirche gewahrt blieb, dass andererseits aber die wesentlichen Einsichten der Reformation nicht verloren gingen. Die Augsburger Rolle hat Melanchthon selbst nicht so recht behagt.
Dann ist da sein dogmatisches Hauptwerk, die „Loci theologici“, die erste evangelische Dogmatik, die zwischen 1521 und 1559 in verschiedenen Auflagen, immer wieder überarbeitet, herauskamen.
Als engster Vertrauter  und Freund Luthers die gemeinsame Übersetzung des Alten Testamentes.
Und schließlich, am Anfang anknüpfend, die Forderung eines Bündnisses von christlichem Glauben und allgemeiner Bildung. Bereits 200 Jahre vor Einführung der allgemeinen Schulpflicht in Preußen im Jahre 1717 verlangte Melanchthon diese für Jungen und Mädchen. Er hat Lehrpläne aufgestellt, sich für Schulgründungen eingesetzt und Schulbücher geschrieben (die auch in katholischen Schulen Jahrhunderte lang benutz wurden, allerdings ohne den Autor zu nennen).
Naben all diesem, war Melanchthon aber auch ein schlichter Christ. Sein Lieblingsgebet lautet: „Christus, nichts bin ich, keinen anderen Trost kenne ich Armer, als dass du Mensch geworden bist. Stütze und leite mich in meiner Gebrechlichkeit, Christus! Las mich ein Zweiglein sein an deinem mächtigen Stamm! Dieser herrliche Bund sei mir immer vor Augen, denn einzig dieser Bund hat mir sicher erworben das Heil.“
So einfach ist das christliche Leben. Zu einem so einfachen Glauben und Leben will uns die ganze Gelehrsamkeit führen. Die Kenntnis der alten Sprachen, der Philosophie. Die Lektüre der Bibel und der Kirchenväter.
Die Schulung am Bekenntnis und die Einweisung in die Kirche. Nichts anderes hat der Praeceptor Germaniae im Sinn als einfach zu glauben. Darum tauchen in seinen Schriften immer wieder solche Gebete auf, die den Einzelnen, Melanchthon selbst und auch uns, vor Gott stellen, damit wir zu Gott rufen.
Mach’s also wie Melanchthon: Bilde dich so gut es nur geht – und werde dadurch ein frommer Christ.

Dietrich Wulf
Ev. Pfarrer


pfeil



Heute schon gebetet?

So direkt wollten Sie gar nicht angesprochen werden? Ihnen fehlen die passenden Worte beim Beten? Und zudem wissen Sie auch gar nicht so genau wie Sie das machen sollen, wie man sich da verhält?
Anhand von fünf Gebetshaltungen will ich Ihnen Mut machen es einmal selber zu versuchen:

1. Beten – Auf-dem-Bauch-liegend
In der Zeitung und im Fernsehen haben Sie sicherlich schon solch eine Gebetshaltung gesehen, besonders, wenn es um den Islam geht. Aber nicht nur - wenn in der Katholischen Kirche ein Priester oder ein Bischof geweiht wird, dann liegen die Kandidaten vor den Stufen des Altars auf der Erde. Absolute Unterordnung unter den Willen Gottes wird damit ausgedrückt. Der Beter ist schutzlos der Gnade Gottes ausgeliefert, weiß aber auch, dass Gott ihn ganz annimmt. Dieser Mensch gibt sich ganz hin, gibt sich mit Leib und Seele in die Hände Gottes.

2. Beten - Kniend
In der katholischen Kirche ist es üblich viele gottesdienstliche Gebete kniend zu beten. In der evangelischen Kirche wird diese Gebetshaltung eigentlich nur dann geübt, wenn damit eine Segenshaltung oder in einigen Gegenden die Feier des Abendmahls verbunden ist. Kniend konzentriert sich der Beter auf das inhaltliche Anliegen seines Gebetes und macht deutlich, dass er in großer Ehrfurcht zu Gott redet. Ein Mensch der kniet, gibt Gott die Ehre, macht damit ganz klar, dass niemand über Gott ist und dass der Beter selber in Abhängigkeit zu Gott steht.

3. Beten – Stehend-in-sich-gekehrt
Stehend zu beten ist in der evangelischen Kirche die häufigste Gebetshaltung. Man steht auf, um Gott seinen Respekt zu erweisen, um ihn zu ehren. Man ist in sich gekehrt, um sich nicht ablenken zu lassen, um richtig bei der Sache zu sein. Konzentration auf das Wesentliche soll damit verdeutlicht werden.

4. Beten – Stehend-mit-offenem-Blick
Dieser Beter will öffentlich machen, dass sein Gebet nicht nur etwas mit Gott, sondern auch mit den Mitmenschen und der ganzen Welt zu tun hat. Dieses Gebet zu Gott ist nicht nur eine private, sondern eine höchst öffentliche Angelegenheit.

5. Beten – Stehend-mit-nach-oben-geöffneten-Armen
Eine uralte, aber bei uns fast ganz vergessene Gebetshaltung. Der Mensch steht mit beiden Beinen auf der Erde, sucht aber die Verbindung mit dem Himmel, reckt sich Gott entgegen. Und er tut das mit weit nach oben geöffneten Armen, geöffnet wie ein Kelch, um den Segen Gottes zu empfangen. Der Mensch ist offen, vielleicht auch leer und will sich durch Gott füllen lassen.

Diese fünf Gebetshaltungen und die dazu gemachten Aussagen sind nur ein Teil dessen, was tatsächlich über das Beten gesagt werden kann. Doch eins ist klar: Nur wer betet kommt mit Gott ins Gespräch.

Nur Mut! Beten Sie mal wieder!

pfeil



Auf einmal erwachsen – Die Konfirmation, ein Übergang

Fast alle haben sie einen Anzug an, sitzen ziemlich perfekt, kaum auf Zuwachs gekauft. Dazu ein weißes Hemd, bei einem eine bunte Fliege, die anderen Krawatte oder auch mal ohne. Und nur zwei in Turnschuhen, die anderen in auf Hochglanz polierten schwarzen Schuhen.

Das waren doch gestern noch alles kleine Jungs! – und nun, auf dem Weg zum Erwachsensein.

Und erst die Mädchen! Keine einzige Jeans, sondern Kleider und Röcke, halb hohe Schuhe (mehr wäre auch nicht gut gegangen), geschminkt sind sie und beim Frisör waren wohl auch alle. Mädchen? Nein, das sind junge Frauen!

Und alle sind sie gekommen: die Familie natürlich; dazu Großeltern, Paten und sogar einige Klassenkameraden. Alle wollen sie sehen und dabei sein, wenn diese jungen Menschen vom Pfarrer gesegnet werden. Durch die Konfirmation wird man in der evangelischen Kirche erwachsen, und das ist ein Fest für die Familie und die Freunde.

Gut 1 ½ Jahre Unterricht liegen hinter ihnen. Bibel und Gesangbuch, Gottesdienste und der Katechismus standen im Mittelpunkt. Fragen über Gott und Welt, Gedanken zum Glauben und zum Handeln der Menschen wurden bedacht. Warum sind wir evangelisch? Was bedeutet das Abendmahl?

Wie feiert man Gottesdienst? Was glaube ich eigentlich?

Und nun dieser feierliche Gottesdienst: Die Kirche ist besonders geschmückt, der Chor singt und alle stehen auf wenn die Konfirmandinnen und Konfirmanden, vom Pfarrer geleitet, gemeinsam in die Kirche einziehen.

Das ist schon ein Erlebnis! So im Mittelpunkt haben sie bisher kaum gestanden. Dann der feierliche Höhepunkt: "Gott ruft euch auf, Jesus im Geiste der Nächstenliebe und der Gerechtigkeit nachzufolgen. Wollt ihr in Jesus Fußspuren treten?" Und die gemeinsame Antwort: "Ja, mit Gottes Hilfe." Schließlich der Segen, kniend.

Für alle, die nun aufstehen gilt: Ab sofort gilt nicht mehr allein das Wort der Eltern oder der Taufpaten, die vor mehr als 12 Jahren an ihrer Stelle den Glauben bekannt haben, nun gilt ihr eigenes Wort.

Durch den Unterricht und die Konfirmation sind die Jugendlichen im Glauben unterwiesen, bestärkt und gefestigt worden. Sie haben gerade Ja gesagt. Sie haben Ja gesagt zu dem Ja, das Gott in der Taufe zu ihnen gesagt hat.

Nun ist der Bund zwischen Gott und den Konfirmandinnen und Konfirmanden beiderseits geschlossen.

Das bedeutet aber auch Verantwortung zu übernehmen – zuerst für sich und seinen eigenen Glauben, später dann auch in und für die Gemeinde. Die Konfirmation ist ein

Übergang zur Selbständigkeit im Glauben, ein Grund zur Feier und zur Freude. Aus Kindern werden Leute, die Gott an ihrer Seite haben.

Oktober 2009, Dietrich Wulf, Ev. Pfarrer

pfeil



Allein zur Ehre Gottes! Johannes Calvin, 1509-1564

Gibt es in der evangelischen Kirche Heilige? Nein, die gibt es nicht, aber es gibt "Vorbilder des Glaubens". Solch ein Vorbild hat gerade seinen 500. Geburtstag gefeiert. Es ist dies der Reformator Johannes Calvin. Er wurde am 10. Juli 1509 in Frankreich geboren.

Sein Lebensweg führte ihn über mehrere Stationen schließlich nach Genf, wo er der evangelischen Lehre zum Durchbruch verhalf. Ist Martin Luther der "Vater" der Lutherischen Kirchen, so ist Calvin der "Vater" der Reformierten Kirchen.

Nichts war Calvin so wichtig, wie ein schriftgemäßes Leben. Was der Mensch auch tut, es muss sich an der Bibel orientieren. Der Sinn des menschlichen Lebens ist es, Gott die Ehre zu geben – Ja, der Mensch lebt zur Ehre Gottes.

Das ist viel verlangt – und daher war es Calvin wichtig, dass die Christen in einem Gemeinwesen und in einer Kirche leben, die zu dieser Ehre beitragen.

Christus allein ist das Haupt der Kirche, ein Papst und eine Hierarchie mit Kardinälen und Bischöfen sind nicht nötig. Demokratisch soll es in der Kirche zugehen: Presbyterien und Synoden leiten die Kirche und die Gemeinden. Vier Ämter sind ausreichend (Pastor, Lehrer, Presbyter und Diakon); von der Gemeinde auf Zeit gewählt, sind sie alleine Gott, ihrem Gewissen und der Gemeinde Rechenschaft schuldig.

Alle vier Ämter zusammen sorgen für die Verkündigung und die Gottesdienste in der Gemeinde, kümmern sich um soziale Dinge, sind aber auch für die Lebensführung der einzelnen Gemeindeglieder verantwortlich. Durch Predigt, Hausbesuche und mahnende Vorhaltungen werden die Gemeindeglieder zu einem Leben als Christen, zur Ehre Gottes, angehalten.

In der Öffentlichkeit hat die Kirche das Recht und die Pflicht, den Staat zu mahnen, ja die Menschen zum Widerstand zu ermuntern, wenn die Obrigkeit einen Weg einschlägt, der die biblischen Weisungen und damit die Ehre Gottes nicht achtet.

Beschränkung der Zinsen, Recht auf Arbeit, Demokratie – das sind alles Forderungen die sich bis heute aus dem Gedankengut Johannes Calvins ableiten.

Calvin hat die reformatorische Lehre in die Welt getragen. Heute gibt es weltweit mehr als 200 Reformierte Kirchen, die sich alle auf ihn berufen.

Bis heute geht von diesen Kirchen eine starke Bewegung für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung aus.

Johannes Calvin starb am 27. Mai 1564. Damit alleine Gott die Ehre gegeben würde, ließ er sich ohne Grabstein bestatten. Niemand weiß heute, wo sein Grab ist.

Nein – Heilige haben wir nicht in der evangelischen Kirche, aber Vorbilder des Glaubens, denen nachzueifern gut ist – Allein zur Ehre Gottes.

Oktober 2009, Dietrich Wulf, Ev. Pfarrer

pfeil



"Meine Zeit steht in deinen Händen." (Psalm 31,16)

Am Sonntag ist die Sommerzeit zu Ende. Seit dem 29. März sollten wir dadurch eine Stunde mehr Sonnenlicht haben, eine Stunde mehr Zeit etwas Sinnvolles daraus zu machen. Haben wir diese Zeit genutzt oder haben wir sie nur vertändelt?

Nun ist es Herbst. Weniger Zeit pro Tag mit Sonnenlicht. Bunte Farben malen ein schönes Bild in die Bäume. Die Sonne, wenn sie denn scheint, lädt ein, das Laub beim Gehen aufzuwirbeln. Sanft fallen die Blätter und finden ihren Platz am Weg. Irgendwann werden sie vergehen, und Neues Leben wird daraus entsteht.

Romantisch wirkt dieses malerische Bild des bunten Herbstlaubes. So mancher Mensch genießt diese Zeit, taucht ein in die letzten wärmenden Sonnenstrahlen und in das bunte Bild der Wälder.

Anderen werden die Gedanken jetzt schwer. Ihnen singt der Herbst vom Abschied, ihnen erzählen die fallenden Blätter Geschichten von vergehender Zeit und vom Sterben. Der Herbst erinnert daran, dass alles, was lebt, auch einmal gehen muss, dass die Zeit dann abgelaufen ist. Ein Gedicht von Rainer Maria Rilke beschreibt das so:

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Die Sonntage der letzten Wochen im Kirchenjahr erinnern uns an das Vergehen der Zeit und des Lebens, erinnern uns an unsere Toten. Allerseelen, Allerheiligen, Buß- und Bettag, Volkstrauertag, dann der Totensonntag, besser Ewigkeitssonntag genannt. Trauer berührt das Herz aufs Neue. Und große Fragen bewegen uns Menschen: "Wie wird es sein, wenn ich einmal sterbe? Was wird von mir übrig bleiben? Und wie werde ich es ertragen können, wenn ein Mensch stirbt, den ich liebe?"

Draußen fallen die Blätter. Die Zeit vergeht. Und mit ihr auch wir. Das kommt uns nahe in diesen Tagen. Wer lebt, muss auch einmal gehen. Der Tod ist ein Bruder des Lebens. Auf große Fragen nach dem Weg, der vor uns Menschen liegt, muss jeder eine eigene Antwort finden.

Manch einer denkt jetzt im Herbst auch an den Tod eines lieben Menschen zurück. Das ist nun kein schöner Herbst! Es war schwer, dass dieser Mensch schon sterben musste. Es hat sehr, sehr wehgetan, so auseinandergerissen zu werden. Aber da stand auch Vertrauen im Raum. Das Gedicht von Rainer Maria Rilke endet so:

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

DAS kann uns tragen - und alle Verstorbenen ganz sicher auch. So können wir jetzt für unser Leben ganz gewiss sein: Meine Zeit steht in deinen Händen, Gott. Was sein wird, kann ich jetzt noch nicht wissen. Aber du bist da und hältst mich, Gott. Was auch kommt.

Die Zeit vergeht, aber es bleibt die Zuversicht, bei Gott mündet alle Zeit in seiner Ewigkeit.

Oktober 2009, Dietrich Wulf, Ev. Pfarrer

pfeil

 
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